Einleitung

Was ist das, diese Weltraummedizin?

Vor 60 Jahren war Yuri Gagarin der erste Mensch, der im Orbit um die Erde schwerelos unseren Planeten von oben betrachtete. Поехали ! (Pojechali) riefer den auf Erden Gebliebenen zum Abschied zu, was so viel bedeutet wie Los gehts!

Damals hatten wir wenig Ahnung davon, was für Effekte diese Schwerelosigkeit auf ihn haben würde. Manche Menschen hatten die Befürchtung, dass es nicht möglich wäre, dort oben zu überleben. Glücklicherweise für Gagarin, und alle Astronauten nach ihm, können wir Menschen ohne Schwerkraft ganz gut überleben.

Als nun immer mehr Menschen in das Weltall vordrangen – und sich immer länger dort aufhalten – tat sich ein neues Forschungsfeld auf: die Weltraumphysiologie.

Sie dreht sich um die Schwerkraft, und ihre Rolle in den Prozessen des Lebens. Die Weltraummedizin ist ein Teil der Weltraumphysiologie, und beschäftigt sich mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Astronauten – besonders im Hinblick auf zukünftige Langzeit-Weltraummissionen zum Mond oder Mars.

Hier wird erforscht, was genau sich im All verändert, ob diese Veränderungen negative Folgen haben, und wie man etwaige negative Auswirkungen verhindern kann.

Warum ist das wichtig?

Alles Leben auf der Erde hat sich perfekt angepasst and die Verhältnisse auf unserem Planeten. Angefangen bei dem Gasgemisch der Luft, die wir atmen, der beschützenden Funktion der Atmosphäre, der Sonneneinstrahlung, bis zum Grad der hier herrschenden Schwerkraft. Jede einzelne unserer Körperfunktionen ist an diese Faktoren angepasst. Einen oder mehrere davon zu verändern bringt oft wundersame Konsequenzen mit sich.

Das All, eine komplett erd-fremde Umgebung, bringt Chaos in all diese Dinge. Zu verstehen, was da oben mit unserem Körper passiert, ist entscheidend, um Wohlbefinden und Fitness der Astronauten gewährleisten zu können.

Derzeitige Pläne sehen eine Rückkehr zum Mond vor – und, als nächsten Schritt, den Weiterflug zum Mars. Astronauten werden mehr und mehr Zeit in Schwerelosigkeit verbringen. Und unserem Planeten ferner sein als je ein Mensch zuvor.
Die längste Zeit, die bisher jemand im Weltraum verbrachte, betrug 437 Tage – ein Rekord, aufgestellt von dem Kosmonauten Valeri Polyakov (sein Kollege Gennady Padalka hat insgesamt 878 Tage im All verbracht, allerdings über 5 verschiedene Missionen aufgeteilt). Polyakov befand sich allerdings die gesamte Zeit auf der Station Mir, im Erdorbit. Ähnlich wie die ISS wurde Mir auf einer Höhe zwischen 296 km bis 421 km gehalten – eigentlich nicht so weit von der Erdoberfläche entfernt. Eine Evakuation im Falle eines medizinischen Notfalls wäre innerhalb Stunden bis wenigen Tagen möglich gewesen.

Den Erdorbit zu verlassen, um zum Beispiel zum Mond zu gelangen, ist eine andere Art von Abenteuer: ungefähr 384,400 km leeres Weltall und 3 bis 4 Tage Flugzeit liegen zwischen den beiden Himmelskörpern. Wollen wir den nächsten Schritt zum Mars tun, befinden wir uns in ganz anderen Dimensionen: die Missionszeiten hier werden in Monaten gerechnet. Mit 6 bis 8 Monaten für eine Richtung, plus Aufenthalt auf der Planetenoberfläche, wird die gesamte Missionsdauer Polyakos Rekord klein aussehen lassen.

Wir sind nicht sicher, welche Effekte solche Langzeitweltraumflüge auf den menschlichen Körper und die Psyche haben wird. Es geht nicht mehr so sehr um die Frage, ob wir da draußen überleben können, sondern darum, währenddessen gesund und fit zu bleiben (und das auch nach der Mission zu erhalten).

Dafür brauchen wir die Weltraummedizin.

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